Magersucht
"Du siehst müde aus!" sagte die Stabheuschrecke. "Kannst du mir sagen was dir fehlt?" "Wenn du es nicht weißt, dann hör auf dein Herz, sprich mit deiner Seele und vertraue deinem Verstand.Sie lügen nie und wissen immer einen Rat!" "Es ist nicht leicht?" fragte die Stabheuschrecke. "Lass mich dir ein Beispiel geben: Gebe deinem Herz die Energie und Kraft zum Schlagen, höre auf deine Seele, sie gibt dir die Ideen zum glücklichen Leben und nehme die Kraft, die dir dein Herz gegeben hat, und setze sie in deinem Verstand ein und schon wirst du merken, dass es dir besser geht!"
Lange dachte die Stabheuschrecke an ihre Antwort, öffnete die Augen und sah sich selbst im Spiegel! (© von Leonie)
1. Definition: Magersucht
Magersucht oder auch „anorexia nervosa“ ist eine seelisch bedingte Essstörung. Nach außen hin sieht man der Betroffenen nur den bewusst herbeigeführten Gewichtsverlust an. Die Betroffenen vermeiden vor allem Lebensmittel mit hohem Fett- und Kohlenhydratgehalt. Trotz ihres deutlich sichtbaren Untergewichts fühlen und sehen sich Magersüchtige zu dick. Sie hungern meist bis zu einem eigens angesetzten Zielgewicht, das jedoch in den meisten Fällen immer weiter sinkt. Das Körpergewicht bei Magersüchtigen kann zwischen 15 – 55% des Normalgewichts sinken (1) .
1.1 Magersucht allgemein
Das Grundlegende Ziel jedes Magersüchtigen ist es, einen perfekten Körper zu schaffen. Doch oft ist es mit einer Diät bei Essstörungen nicht getan. Sie vermeiden jedes Gramm Fett und in den meisten Fällen haben sie sogar panische Angst davor. Die Magersucht wird meist erst sehr spät vom Umfeld der Betroffenen wahrgenommen. Meist ist es dann schon zu spät die Problematik ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Man unterscheidet zwischen einer leichten Magersucht, die früh erkannt und behandelt wird und einer schweren, langwierigen Magersucht, deren Behandlung über Jahre hinweg andauern kann.
2. Ursachen der Magersucht
Wie der Name „anorexia nervosa“ schon sagt, handelt es sich um eine psychisch bedingte Essstörung. Doch es gibt mit Sicherheit mehrere Gründe für das Erkranken an Magersucht. Meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle, deshalb spricht man auch von einer „Multicausalität“(2)
Im Allgemeinen lassen sich drei Einflussbereiche einteilen. Biologische, gesellschaftliche und psychische Einflüsse.
2.1 Biologische Einflüsse
Der biologische Einfluss auf das Krankheitsbild Magersucht ist bis heute nicht hundert Prozent erforscht, Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass es sich um eine Störung der Hirnfunktion handelt, die für die Sexualität, die Menstruation und das Essverhalten zuständig ist (3). So liegt die Wahrscheinlichkeit, wenn ein Zwilling an Magersucht erkrankt, beim Anderen Zwilling durchaus höher.
2.2 Gesellschaftliche Einflüsse
Ausschlaggebend hierbei ist vor allem das wandelnde Schönheitsideal. Dies hat sich seit Anfang der 60er Jahre immer mehr in Richtung des schlankeren Körpers entwickelt. Dieses Ideal und das immer mehr wachsende Nahrungsüberangebot, was zu einem höheren Durchschnittsgewicht der Bevölkerung führte. Doch auch durch den Druck der Medien und das Ansehen der Frau in der Gesellschaft, wird der feminine Bevölkerungsanteil stark verunsichert.
2.3 psychologische Einflüsse
Jahrelange Studien und Beobachtungen kamen zu dem Entschluss, dass Magersucht den größten Teil unserer Bevölkerung in den Jahren der Pubertät erkranken lässt. Vor allem junge Frauen sind mit dem Erwachsen werden überfordert und verunsichert. Die Suche einer neuen Identität in der Magersucht auf den Körper und das Gewicht bezogen.
3. Wahrnehmung
Die Wahrnehmung einer anorektischen Patientin ist aufgrund der fehlenden grauen Zellen in zwei Hirnregionen eingeschränkt oder verändert. Die erste der beiden Hirnregionen ist mit der visuellen Verarbeitung vom menschlichen Körper zuständig, die andere im Groben und Ganzen auch. Die gestörte Wahrnehmung wird auch „Dismorphophobie“ genannt (4).
3.1 körperliche Wahrnehmung
Trotz deutlich sichtbarem Untergewicht sehen sich Magersüchtige zu dick. Schuld daran ist die Körperschemastörung („Dismorphophobie“). Sie symbolisiert ein Gefühl der Feindschaft zwischen der/dem Betroffenen und des Körpers. Manche nehmen außerdem der Körper als eine Art Fremdwesen wahr und wissen nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen.
In diesem Bild wird die Körperschemastörung sehr deutlich. Die offensichtlich lebensgefährlich dünne Frau sieht ihr Spiegelbild als eher übergewichtig.
Am Anfang jeder Diät steht der Verzicht auf Nahrung. Auch an Anfängen einer Magersucht verspürt der Betroffene ein übermäßiges Hungergefühl. Schuld daran ist der bewusste Verzicht auf Lieblingsspeisen. Auch kann ein Erhöhter Insulinspiegel daran schuld sein. Er wird beispielsweise durch den Konsum von Diätspeisen, welche mit Süßstoffen gesüßt wurden, ausgelöst. Auch die Beschäftigung mit Essen und nur der bloße Gedanke sind Ursachen des Verzichts.
Eine weitere Wahrnehmung einer Person mit Anorexie ist das Kälteempfinden. Der Körper fährt bei einer längerfristigen Nahrungsunterversorgung den Stoffwechsel runter. Er stellt sich auf eine vergleichbare „Dürrezeit“ ein, verbrennt langsamer und hat somit auch weniger Energie. Die Anorektikerin hat andauernd kalt und insbesondere ihre Hände und Füße sind stark unterkühlt.
Die Müdigkeit ist bei der Magersucht außerdem ausgeprägter als bei einer gesunden Person. Auch die Herzfrequenz und der Blutdruck sinkt bei Betroffenen.
3.2 psychische Wahrnehmung
Magersüchtige Menschen leben mit der ständigen Angst zuzunehmen. Ihr einziges Streben ist es, dünner und schöner zu werden. Da sich in den Hungerperioden jedoch der Grundumsatz verringert, essen anorektische Menschen immer weniger. Allein das zunehmen von nur wenigen Gramm löst in ihnen Panik aus. Dies führt zu einem noch strengeren Kontrollieren des Essverhaltens. Sie befinden sich also in einem Art Teufelskreis.
Essen löst Glücksgefühle aus, da sind sie die Menschen einig, deshalb sind magersüchtige Menschen zum großen Teil stark depressiv. Ihr Gedankenkreisen um Nahrung, Körper und die Panik vor dem Zunehmen macht sie unglücklich und „verrückt“. Sie lehnen jede Art von Hilfe ab, da sie meist nicht Krankheitseinsichtig sind. Dies führt zu einer Isolation der Betroffenen, was wiederum traurig und allein macht.
Auch schnelle Reizbarkeit ist ein typisches Merkmal der Anorexie. Durch den ständigen Druck durch die Außenwelt und die Überforderung mit dem eigenen Ich, sind anorektische Menschen stark reizbar und schlecht gelaunt.
4. Folgen der Magersucht
Die Folgen der Magersucht lassen sich in zwei Bereiche einteilen, die sich jedoch beide auf die Zukunft einer Betroffenen stark auswirken.
4.1 körperliche Folgen
Durch das ständige Fasten, kommt es bei Magersüchtigen zu einem Elektrolytmangel. Elektrolyte sind wesentlich für die lebenswichtigen Vorgänge in der Zelle verantwortlich. Er bewirkt eine Verschiebung des Säuregehalts im Blut (5). Wenn die Organe, wir zum Beispiel die Nieren, diese Veränderung längerfristig ausgleichen müssen, kann es zu einer Schwächung des Nierengewebes kommen, wodurch deren Funktion eingeschränkt wird.
Bei den meisten anorektischen Frauen setzt die Monatsblutung aus und sie sind kurzfristig Unfruchtbar. Jedoch reguliert sich dies bei der Genesung wieder.
Auch eine langfristige Vitamin-D Unterversorgung bewirkt eine schwere Folge der Magersucht. Vitamin-D ist für einen wesentlichen Bestandteil des Knochenstoffwechsels zuständig und kann bei Mangelerscheinung zu schnellen Knochenbrüchen führen.
4.2 psychische Folgen
Bei stark magersüchtigen Personen kommt es zu einer Hirnschrumpfung, die jedoch bei Genesung und Erreichen des Normalgewichts wieder zurückgeht.
Jedoch sind auch Depressionen eine Folge der Magersucht. Die Unterversorgung mit Eiweiß und Kohlenhydraten können zu Übertragungsfehlern zwischen den Nervenzellen führen (6).
Eine weitere wichtige Folge ist der Umgang mit der Familie und Angehörigen. Durch das Bemühen der Mitmenschen in der Krankheitsphase sind Angehörige oft verunsichert und trauen sich nicht etwas zu tun. Das kann zu einer gestörten Beziehung zu genau diesen Menschen führen.
(Facharbeit: "Magersucht und die falsche Wahrnehmung des Körpers" © Leonie)
