Das Spiel
18.06.2012 21:37"Ich habe gelernt, Schmerzen zu verbergen, Leid zu ertragen und mit Tränen in den Augen zu lachen. Nur um andere glücklich zu machen und ihnen zu zeigen, dass es mir "gut" geht..." (Verfasser Unbekannt)
Vorhang auf und das Spiel beginnt. Die Schauspielerin wischte sich die letzten Tränen aus den Augen, noch schnell etwas Puder auf die angeschwollenen Lider und die Maske saß perfekt. Der Vorhang, ein weinroter dicker Samtstoff, verschwand zur Seite, im tiefen Schwarz, und die Schauspielerin musste blinzeln. Tausende von Lichtern, Kameras und Jubelrufe, der Saal schallte ihr entgegen. Leicht benommen begann sie ihr Spiel. Nach einiger Zeit nahm sie nur noch wenig von dem ganzen Trubel wahr. Ihre Ohren begannen zu sausen und der Blick war getrübt. Mühsam fuhr sie fort, lächelnd, lachend und voller Elan. Woher nahm sie dies alles nur immer? Ihre Seele weinte! Plötzlich fiel sie tief, sie wusste, es war der immer wiederkehrende Traum. Sie blickte auf und befand sich mittendrin. In einem Glasraum, voller Stühle und Tische. Es war dunkel, doch aus einer Ecke kam etwas Licht. Sie wollte sich aufsetzen. Etwas hielt sie jedoch plötzlich zurück. Sie nahm es im ersten Moment kaum war, doch sie konnte sich nicht bewegen. Ihre Arme, ihre Beine, ihre Brust, alles war festgekettet. Mühsam beugte sie den Kopf vor. Was war das nur? Sie lag auf einer weißen Liege, die Arme und Beine rechts und links am Bett mit Gurten gefesselt. Und ihr Kopf tat schrecklich weh. Wie benebelt blickte sie um sich. Aus der rechten Ecke hörte sie leise Stimmen. Hinter der großen Glaswand saßen Personen und unterhielten sich leise. Doch sie konnte nicht verstehen wer es war und was sie sprachen. Wieder versuchte sie sich aufzusetzen, diesmal mit einem größeren Ruck, doch die Fesseln gaben nicht nach. Nochmal und nochmal versuchte die Schauspielerin es, keine Chance. Sie war hoffnungslos ausgeliefert!!! Langsam überkam sie Panik. Wie ist sie nur dorthin gekommen? Wer hatte sie nur an dieses Bett gefesselt? Sie konnte sich kaum erinnern. Mit steigender Panik wurden ihre Bewegungen hektischer. Voller Angst zerrte und riss sie an ihren Armen und Beinen. Ihre Brust tat von der Wucht schon weh, doch ihr Körper ließ sich nicht mehr steuern. Sie wurde von einem kompletten Kontrollversagen überfallen. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so hilflos und ausgeliefert gefühlt und ihre panische Angst vor den nächsten Stunden übermannten sie. Auf ihre Zappelei folgten Schreie, laute, panische, verzweifelte, angstergreifende und hilflose Schreie. Sie konnte nichts mehr steuern. Sie zappelte und schrie und zappelte und schrie. Jetzt ist es aus, dachte die Schauspielerin, ich sterbe und kann nichts dagegen tun.
Ein grelles Licht überkam sie und sie war zurück. Zurück aus dem Traum und auf der Bühne. Die Pause war gerade vorbei und ihr Partner riss sie am Arm in Richtung Bühne. Letzter Auftritt für diese Woche, das ganze Wochenende frei. Ihr Partner sprach richtig euphorisch. Sie lächelte matt. Nur noch einmal spielen. Das gottverdammte Spiel. Das Spiel, dass niemals enden würde....
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