Schwäche
04.10.2012 18:29
"So groß und stark das menschliche Herz ist, eines ist noch größer:
Seine Gebrechlichkeit und seine wetterwendische Schwäche."
(Heinrich Theodor Fontane)
Nach langer Zeit blickte die Schauspielerin wieder in ihren Spiegel.
Über einen Monat hatte sie den Blick gescheut, den Anblick ihrer selbst, ihrer Seele, den nur sie sehen konnte.
Ihre Maske saß wie immer perfekt. In diesem einen Monat hatte sie es ausgibig geprobt, an verschiedensten Situationen, an verschiedensten Orten und inmitten verschiedenster Personen. Personen, die sie mochte, nicht mochte, duldete und ignorierte, die Maske saß wie eh und je!
Es gab Momente, in denen schien die Maske zu fallen, nur ein kleines Stück. Diese Momente bedeuteten für die Schauspielerin Sicherheit. Auch wenn es nur kurz andauerte, diese Momente verschafften ihr Erleichterung. Erleichterung von der Anstrengung der restlichen, gefühlten millionen, Tage! Sicherlich hatte es mit den Menschen um sie herum zu tun, das war gut möglich, jedoch enttäuschten Diese sie wiederum so sehr, dass sie sich oft vor dessen Anblick scheute. Nur die absolute Islolation vor den Menschen brachte ihr Ruhe. Die kommunikationslose und stille Zeit des Tages, bei Nacht wie auch am Tag!
Es gab auch Momente, da sehnte sich die Schauspielerin nach den Menschen, nicht nach Allen, nein, sie sehnte sich nach besonderen Menschen. Menschen, denen sie vertraute, die ihr halfen oder geholfen haben! In diesen Momenten war sie schwach, schwach vor Kummer und Leid und vor den Qualen, die sich in ihr abspielten. Allein Gedanken aus der Vergangenheit halfen ihr, ein klein bisschen besser damit fertig zu werden.
Doch trat eine Situation auf, in der sie zurückerinnert wurde, stieg die Trauer in ihr auf. Es reichte ein Lied oder wenige Worte und sogleich stach ihr ein unsichtbares Messer in die Brust und peinigte ihre Seele.
In diesen Situationen floh sie, um mit sich selbst alleine zu sein! Die Menschen um sie herum verstanden das nicht, für sie war die Schauspielerin nur "komisch", "verrückt", "gestört" oder "ein kleines Kind"! Doch mit der Zeit fand sich die Schauspielerin damit ab, floh in die sichere Isolation und wünschte sich nur eines: Den Weg in eine glücklichere Zukunft, auch wenn sie keine Hoffnung mehr hatte!!!
—————
